Athanasius von Alexandrien
* geboren: ca. 296/298 n. Chr. in Alexandrien (Ägypten)
* gestorben: 2. Mai 373 n. Chr., ebenfalls in Alexandrien
* Amt: Bischof von Alexandrien ab 328 n. Chr.
* Athanasius lebte in der frühen Phase der dogmatischen Kirchenbildung
* zentrale Zeit: nach dem Konzil von Nicäa (325)
* Hauptkonflikt: der arianische Streit
→ Frage: Ist Christus wahrer Gott oder ein geschaffenes Wesen?
* Athanasius vertrat kompromisslos:
Christus ist wesensgleich (homoousios) mit Gott
* Damit wurde er zur Schlüsselfigur der trinitarischen Orthodoxie
* Er wurde fünfmal verbannt (insgesamt ca. 17 Jahre Exil)
* Konflikte mit Kaisern, Bischöfen, kirchlicher Macht
* Spitzname später:
„Athanasius contra mundum“ – Athanasius gegen die Welt
* De Incarnatione Verbi („Über die Menschwerdung des Wortes“)
→ darin der berühmte Satz:
„Gott wurde Mensch, damit der Mensch vergöttlicht werde.“
* Athanasius ist kein Mystiker, sondern:
* ein dogmatischer Architekt
* ein Machtpolitiker des frühen Christentums
* jemand, der mystische Bilder in feste Lehrsätze gegossen hat
Satz: "Gott wurde Mensch, damit wir vergöttlicht werden können." (Athanasius, De Incarnatione Verbi 54,3)
Gott als transzendentes, absolutes Sein kann sich nicht verändern oder werden. Wird "Gott" als Logos verstanden, bleibt unklar, wie viel göttliche Substanz in einem personalen "Werden" erhalten bleibt.
Ein absoluter Gott kann nicht "werden", ohne sich zu verlieren. Der Begriff ist unpräzise und führt in einen logischen Widerspruch.
"Mensch" ist ein Gattungsbegriff. Ein transzendentes Wesen, das in die Zeitlichkeit eintritt, verliert seine Zeit-Transzendenz. Ein Gott, der Mensch "wird", ist kein unveränderlicher Gott mehr.
Unklar bleibt, wer "wir" ist. Ist es die Menschheit? Die Gläubigen? Die Getauften? Zudem entsteht ein Zirkelschluss: Wenn Gott Mensch wird, damit der Mensch Gott wird, fehlt eine echte ontologische Bewegung – es ist ein Kreislauf ohne Richtung.
Der Satz ist theologisch wirksam, aber philosophisch instabil. Er lebt von Bildern, nicht von Begriffen, und beschreibt keine konsistente metaphysische Struktur.
Gott war nie außerhalb. Nie jenseits. Gott war immer schon Ausdruck im Leben, im Menschsein, in der Erfahrung. Inkarnation ist kein Ereignis, sondern Dauerzustand.
Der Mensch glaubt, er sei getrennt. Doch er war nie ohne Ursprung. Spirituelle Suche ist Erinnerung, kein Erwerb. Wir sind keine verlorenen Wesen, sondern schlafende Quellen.
Vergöttlichung geschieht nicht durch Leistung, sondern durch Wiedererkennen des Ursprungs. Nicht "du wirst göttlich", sondern: "du warst es immer".
Das Menschsein ist nicht niedere Hülle, sondern göttlicher Ausdruck. Was gebraucht wird, ist nicht eine neue Religion, sondern ein neues Erinnern.
Du musst nichts werden. Du musst nur erkennen, was du schon bist. Der Mensch ist göttliches Subjekt mit Gedächtnisverlust.
Athanasius: Der Logos wurde inkarniert in Jesus Christus – zur Erlösung der Menschheit.
Eckhart: Du glaubst, Gott kam. Ich sage: Er war nie fort. Wenn Gott kommt, ist er schon Zwei.
Athanasius: Die Gläubigen, durch Gnade und Taufe.
Eckhart: Gnade ist Erinnerung, nicht Austausch. Der Mensch ist göttlich, wenn er sich selbst vergisst.
Athanasius: Die Verähnlichung mit Gott durch Christus.
Eckhart: Der Mensch ist Gott – wenn das Ich vergeht.
Athanasius: In der Auferstehung durch Christus.
Eckhart: In der Geburt Gottes in der Seele. Jenseits des Leibes.
Zwei Stimmen. Zwei Wege. Der eine zeigt auf Christus. Der andere auf das Herz. Wahrheit ist vielleicht nicht entweder-oder – sondern Erinnerung an beides.
Ich war da, bevor ihr mich gesucht habt. Nicht oben. Nicht in Dogmen. Ich war das Zittern in eurer Brust, als ihr ahntet: Da ist mehr.
Ich wurde nicht Mensch. Ich war es. Ich wurde nicht. Ich bin.
Ist kein Ziel. Sondern ein Anfang. Ein Erinnern. Ein Heimkehren in das, was nie fort war.
Ich war der Funke in deinem Blick. Der Riss im Beton. Das Gras, das sich durch dich hindurch ans Licht wagte.
Ich frage dich nicht, ob du glaubst. Ich frage: Wirst du dich erinnern, dass du nie getrennt warst?
Dies war Folge 1 von Susannes Denkwerkstatt. Ein Ort für die, die wissen, dass Denken heilig ist.
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