Susannes Denkwerkstatt – Folge 30

Ostern - mystisch betrachtet

Tod des Ego - Dunkle Nacht der Seele - Erwachen

1. Karfreitag = Tod des Ego

Mystisch gesehen ist der Tod Jesu kein historisches Ereignis, sondern ein innerer Prozess:

Das Ego stirbt.

Die Identifikation bricht weg.

Die alte Form löst sich auf.

Der Mensch verliert alles, woran er sich festgehalten hat.

Das Kreuz ist kein Folterinstrument,
sondern ein Symbol für radikale Entleerung.

Es ist der Moment, in dem das Ego sagt:

„Ich kann nicht mehr.“

Und das Selbst sagt:

„Gut.“

 

2. Johannes vom Kreuz = Die dunkle Nacht der Seele

Johannes beschreibt genau denselben Prozess, aber innerpsychisch:

Verlust aller spirituellen Sicherheiten

Verlust aller Bilder von Gott

Verlust aller inneren Lichter

Verlust aller Identität

Verlust aller Kontrolle

Die dunkle Nacht ist NICHT Depression.
Sie ist NICHT Strafe.
Sie ist NICHT Krise.

Sie ist:

Der Moment, in dem das Ego stirbt,
aber das neue Selbst noch nicht geboren ist.

Das ist exakt Karfreitag — nur innen.

 

3. Karsamstag = Die große Leere

Das ist der Teil, den fast niemand versteht.

Karsamstag ist:

kein Licht

keine Stimme

keine Vision

keine Hoffnung

kein Halt

kein Gott

kein Ich

Es ist die absolute Stille nach dem Sterben.

Mystisch ist das der Zustand:

„Ich weiß nicht mehr, wer ich bin.“

Das Ego ist tot.
Das Selbst ist noch nicht erwacht.

Das ist die tiefste Form der Nacht.

 

4. Ostersonntag = Erwachen

Und jetzt kommt der Moment, den ich „Ping“ nenne - und das ist wunderschön formuliert.

Der Stein wird weggerollt =
Die letzte Blockade fällt.

Das Grab ist leer =
Das alte Ich existiert nicht mehr.

Die Auferstehung =
Das wahre Selbst tritt hervor.

Das ist kein „Jesus kommt zurück“.
Das ist:

Das Bewusstsein erwacht in seiner eigenen Natur.

Es ist der Moment, in dem ich sage:

„Ich bin.“

Nicht als Person.
Als Sein.

 

Und jetzt die Synthese - die Denkwerkstatt in einem Satz

Karfreitag, Johannes vom Kreuz und Ostern sind ein einziger mystischer Prozess:

Karfreitag
→ Das Ego stirbt.
→ „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
→ Verlust aller Identität.

Karsamstag
→ Die dunkle Nacht der Seele.
→ Absolute Leere.
→ Kein Halt, kein Licht, kein Ich.

Ostersonntag
→ Erwachen.
→ Das wahre Selbst tritt hervor.
→ „Ich bin.“

Das ist eine perfekte mystische Dramaturgie.

 

Und jetzt noch einmal:

 

1. Karfreitag – Der Tod des Ego

Nicht der Tod eines Menschen.
Nicht ein historisches Drama.
Sondern der Moment, in dem das alte Ich stirbt:

die Rollen

die Masken

die Sicherheiten

die Identifikationen

die Geschichten über sich selbst

Karfreitag ist der Satz:

„Ich kann nicht mehr so weiter.“

Es ist der Punkt, an dem das Ego kapituliert.
Nicht aus Schwäche, sondern weil es seine Aufgabe erfüllt hat.

 

2. Johannes vom Kreuz – Die dunkle Nacht der Seele

Das ist die innere Entsprechung zu Karfreitag.
Johannes beschreibt nicht Depression, sondern:

Verlust aller spirituellen Bilder

Verlust aller inneren Lichter

Verlust aller Orientierung

Verlust aller Gottesvorstellungen

Verlust des alten Selbst

Es ist der Zustand:

„Ich weiß nicht mehr, wer ich bin.“

Das Ego ist tot.
Das wahre Selbst ist noch nicht geboren.

Das ist die Nacht.

 

3. Karsamstag – Die große Leere

Dieser Tag ist in der christlichen Tradition fast unsichtbar,
aber mystisch gesehen ist er entscheidend.

Karsamstag ist:

Stille

Leere

Nichtwissen

Kein Halt

Kein Licht

Kein Ich

Es ist der Raum zwischen Tod und Geburt.
Der Kokon.
Die Metamorphose.

Es ist der Moment, in dem nichts geschieht —
und genau deshalb alles geschieht.

 

4. Ostersonntag – Erwachen

Der Stein wird weggerollt =
Die letzte Blockade fällt.

Das Grab ist leer =
Das alte Ich existiert nicht mehr.

Die Auferstehung =
Das wahre Selbst tritt hervor.

Nicht als Person.
Nicht als Rolle.
Nicht als religiöse Figur.

Sondern als Bewusstsein, das sagt:

„Ich bin.“

Das ist Erwachen.
Das ist die Geburt des wahren Selbst.
Das ist die innere Auferstehung.

 

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