Strophe 1
Du sagtest: „Du bist längst geheilt,
der Dämon ist nun fort.“
Du sagtest: „Wirf die Tabletten weg,
Gott steht an deinem Ort.“
Du sprachst von Liebe aus der Ferne,
von Männern, die mich noch begehr’n,
von alter Glut und neuem Schicksal –
du wolltest meine Sehnsucht nähren.
Pre-Refrain
Du maltest Wunder in die Luft,
versprachst mir Macht in einem Satz.
Doch Heilung, die sich selbst verkündet,
trägt oft nur Blendwerk als Ersatz.
Refrain
Ich habe dich erkannt im Klang,
im süßen Druck, im leisen Zwang.
Wer Heilung ruft und Zweifel schmäht,
weiß nicht, was echte Stärke sät.
Ich prüfe Gott nicht, spiel kein Spiel –
mein Glaube braucht kein Risiko als Ziel.
Was flüstert: „Spring“ – das ist nicht Licht.
Ich bleibe stehen. Ich folge nicht.
Strophe 2
Du sagtest: „Hab nur Mut, vertrau,
setz ab, du brauchst es nicht mehr.“
Doch wer Verantwortung verschiebt,
dem trau ich kein Versprechen mehr.
Du nanntest Schatten, nanntest Schuld,
sprachst laut von Bann und dunkler Macht.
Doch wer mit Angst Erlösung baut,
hat Finsternis selbst mitgebracht.
Bridge
Versuchung kommt nicht mit Hörnern,
sie kommt mit Engeln im Gewand.
Sie lockt mit schnellen Offenbarungen
und nimmt dir leise die eigene Hand.
Sie sagt: „Glaub stärker, sei radikal.“
Doch Radikalität ist nicht mein Maß.
Mein Weg ist ruhig, Schritt für Schritt –
kein Sturz für einen Beweis aus Glas.
Letzter Refrain
Ich habe dich erkannt – und geh.
Kein Hass, kein Kampf, kein großes Weh.
Was mich von mir entfernen will,
hat keinen Platz in meinem Will’.
Ich schließe Türen – ohne Groll.
Mein Nein ist klar. Und das genügt voll.
Viele Menschen sprechen vom Guten und vom Bösen, als wären es zwei Lager, zwei Kräfte, zwei getrennte Welten.
Doch vielleicht ist die Wirklichkeit komplizierter.
Das Böse erscheint selten als offener Angriff. Es erscheint oft als Angebot.
Ein Versprechen. Eine Verführung. Eine scheinbare Abkürzung.
Es sagt nicht: „Ich zerstöre dich.“ Es sagt: „Ich helfe dir.“
Versuchung arbeitet mit drei einfachen Mechanismen:
Erstens: Sehnsucht.
Sie erkennt, was ein Mensch sich wünscht – Heilung, Liebe, Anerkennung.
Zweitens: Beschleunigung.
Sie verspricht schnelle Lösungen für tiefe Probleme.
Drittens: Autorität.
Sie behauptet, im Namen einer höheren Wahrheit zu sprechen.
Doch Wahrheit braucht selten Dringlichkeit. Und echte Entwicklung braucht fast immer Zeit.
Angst ist eines der stärksten Werkzeuge, mit denen Menschen beeinflusst werden können.
Wer Angst hat, sucht Schutz. Wer Schutz sucht, folgt schneller.
Darum taucht Angst in vielen Formen auf:
Angst vor Krankheit.
Angst vor Schuld.
Angst vor dem Teufel.
Angst vor der Zukunft.
Doch Angst ist nicht automatisch Wahrheit.
Oft ist sie nur ein Echo von Stimmen, die Macht gewinnen wollen.
Die vielleicht größte Freiheit eines Menschen besteht darin, stehen bleiben zu können.
Nicht jede Stimme zu glauben.
Nicht jedem Versprechen zu folgen.
Nicht jeder Angst zu gehorchen.
Manchmal genügt ein einfaches Wort:
Nein.
Ein klares Nein kann stärker sein als jede Predigt.
(Intro)
Ihr habt mich gerufen,
ihr habt mich erwartet.
Ich bin der Schatten, der raunt,
die Stimme, die warnt.
Ich brauche kein Schwert,
keine Fackel, kein Feuer.
Nur eure Angst –
und die gebt ihr mir gerne.
(Strophe 1)
Die Schlagzeilen lagen schon gestern bereit,
das Drama war längst ausgedacht.
Die Puppen tanzen nach meinem Plan,
doch glaubt mir, ich lache nicht sacht.
Ich liebe den Sturm, die brennende Welt,
die Angst, die euch stocken lässt.
Ich flüstere: „Achtung! Es ist soweit!“
Und schon erstarrt ihr im Test.
(Refrain)
Ich bin der Fürst, der euch mit Angst regiert,
ich bin das Flüstern, das euch verführt.
Doch was, wenn ihr’s durchschaut, wenn ihr nicht mehr bebt?
Dann bleibt nur Rauch, der sich im Wind verweht.
(Strophe 2)
Die Bilder laufen, das Herz schlägt wild,
die Welt steht kurz vor dem Fall.
Ihr sammelt Klopapier und Angst im Bauch,
doch ich bin nur Nebel, ein Trugbild, ein Schall.
Ich serviere euch Krieg, ich male den Feind,
ich lasse euch zittern vor Nacht.
Doch seht ihr das Licht, dann seht ihr auch mich –
ein Dieb, der nichts mehr in Händen hat.
(Bridge)
Ich bin nicht Macht, ich bin nur der Test,
ich bin die Frage, ob ihr mich fresst.
Denn was, wenn ihr einfach weitergeht?
Wenn ihr mir keine Bühne mehr gebt?
(Refrain)
Ich bin der Fürst, der euch mit Angst regiert,
ich bin das Flüstern, das euch verführt.
Doch was, wenn ihr’s durchschaut, wenn ihr nicht mehr bebt?
Dann bleibt nur Rauch, der sich im Wind verweht.
(Outro)
Ihr habt mich gerufen,
ihr habt mich erwartet.
Doch seht ihr jetzt klar,
dann bin ich entwaffnet.
Denn ohne eure Angst –
bin ich nichts.
Dies war Folge 24 von Susannes Denkwerkstatt.
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