Denkwerkstatt – Seit wann erzählen Menschen Schöpfungsgeschichten?

Die Suche nach dem Punkt, an dem aus nackter Evolution erzählte „Schöpfung“ wird.
Frage
Wann wurde zum ersten Mal – in welcher Kultur auch immer – eine Schöpfungsgeschichte erzählt? Also: Ab wann haben Menschen begonnen, die Entstehung der Welt und des Menschen mythisch zu deuten?

1. Wichtige Unterscheidung: Weltalter vs. Textalter

Die Erde existiert seit ca. 4,6 Milliarden Jahren. Leben seit rund 3,5 Milliarden Jahren. Homo sapiens seit rund 200–300 Tausend Jahren.

Schöpfungsgeschichten sind viel jünger – sie tauchen erst auf, wenn Menschen:

entwickelt haben. Die ältesten schriftlich überlieferten Texte sind nur wenige tausend Jahre alt.

2. Die frühesten bekannten Schöpfungstexte

2.1 Mesopotamien (Sumer, Babylon)

Mesopotamien ist eines der ältesten Zentren, in denen Schöpfungsgeschichten schriftlich fassbar werden.

2.2 Altägypten

2.3 Indien (Veda)

2.4 Frühgriechische Philosophie und Mythologie

2.5 Die biblische Schöpfungsgeschichte

3. Gibt es eine „erste“ Schöpfungsgeschichte?

Streng wissenschaftlich müssen wir sagen:

Darum kann niemand seriös sagen: „Die allererste Schöpfungsgeschichte ist X“. Wir können nur sagen:

4. Was erzählt die Tatsache, dass Schöpfungsgeschichten so spät sind?

Die Menschheit hat:

Schöpfungsgeschichten entstehen:

Man könnte sagen:
Je organisierter eine Kultur, desto stärker das Bedürfnis, die Ordnung kosmisch zu begründen.

5. Kurzantwort für die Denkwerkstatt

Seit wann erzählen Menschen Schöpfungsgeschichten?
– Mündlich wahrscheinlich schon seit Zehntausenden Jahren.
– Schriftlich fassbar werden sie vor allem ab ca. 2000–1500 v. Chr. in Mesopotamien, Ägypten und Indien.

Ist die biblische Schöpfungsgeschichte die älteste?
– Nein. Sie steht in einer langen Reihe anderer Mythen und ist selbst ein später, hochkonzentrierter Beitrag zu der Frage: „Wie zum Teufel erzählen wir uns, dass es uns gibt?“